Einzelfirma oder GmbH? Rechtsformen im Vergleich für die Schweiz

Einzelfirma oder GmbH – welche Rechtsform passt zu dir? Wir vergleichen Haftung, Kosten, Steuern, Sozialversicherungen und Namenswahl und zeigen dir, ab wann sich der Wechsel lohnt.

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Du willst gründen, aber die Rechtsform-Frage steht im Weg? Dann bist du nicht allein – die Wahl zwischen Einzelfirma und GmbH ist die häufigste Gründungsentscheidung in der Schweiz. Beide haben klare Stärken, aber sie passen zu unterschiedlichen Situationen. In diesem Vergleich schauen wir uns die sieben wichtigsten Unterschiede an. Am Ende weisst du, welche Form zu dir passt.

1. Haftung – das Risiko, das du persönlich trägst

Takeaway: Die GmbH schützt dein Privatvermögen, die Einzelfirma nicht.

Das ist der Unterschied, der am meisten wiegt. Als Inhaber:in einer Einzelfirma haftest du unbeschränkt und persönlich – mit deinem gesamten Privat- und Geschäftsvermögen. Geht etwas schief, können Gläubiger auf dein Sparkonto, dein Auto und im Extremfall dein Eigenheim zugreifen.

Bei der GmbH ist die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt (gemäss Art. 794 OR). Dein Privatvermögen bleibt grundsätzlich geschützt. Wichtig: Geschäftsführer:innen haften dennoch persönlich, wenn sie ihre Sorgfaltspflichten verletzen (Art. 827 i. V. m. Art. 754 OR) – z. B. bei verspäteter Überschuldungsanzeige oder Steuerbetrug. Aber das normale Geschäftsrisiko trägst du nicht privat.

Faustregel laut KMU-Portal des Bundes (SECO): Je höher das Unternehmerrisiko oder der finanzielle Einsatz, desto mehr spricht für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

2. Gründungskosten – was du am Anfang investierst

Takeaway: Die Einzelfirma kostet fast nichts, die GmbH einige Tausend Franken plus CHF 20'000 Stammkapital.

Eine Einzelfirma entsteht formlos mit der Aufnahme deiner Tätigkeit. Kosten fallen nur an, wenn du dich freiwillig (oder ab CHF 100'000 Umsatz obligatorisch) ins Handelsregister eintragen lässt: rund CHF 120 für den Eintrag plus CHF 20–50 für die Unterschriftsbeglaubigung.

Für eine GmbH brauchst du mindestens CHF 20'000 Stammkapital (gemäss Art. 773 OR), das vollständig einbezahlt werden muss. Dazu kommen Notariatskosten (CHF 700–2'000), der Handelsregistereintrag (CHF 600) und eventuell Gründungsberatung. Einmalig kommst du realistisch auf CHF 2'500–5'000 – plus das Stammkapital, das allerdings nicht «weg» ist, sondern in der Gesellschaft als Betriebskapital verbleibt.

Ausführliche Angaben zu den Gründungskosten findest du in unseren Guides zur Einzelfirma und zur GmbH.

3. Laufende Kosten – was im Betrieb dazukommt

Takeaway: Die GmbH kostet im Betrieb rund CHF 2'000–4'000 mehr pro Jahr als die Einzelfirma – vor allem wegen der Buchhaltungspflicht.

Die Einzelfirma unter CHF 500'000 Umsatz kommt mit einer einfachen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung aus (gemäss Art. 957 Abs. 2 OR). Viele Selbstständige erledigen das selbst oder lassen es für CHF 500–1'500 pro Jahr von einem Treuhänder machen.

Die GmbH dagegen ist ab Tag eins zur doppelten Buchhaltung verpflichtet (Art. 957 Abs. 1 OR) – mit Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang. Dazu kommt der jährliche Jahresabschluss. Die Mehrkosten gegenüber einer Einzelfirma liegen typischerweise bei CHF 2'000–4'000 pro Jahr für Buchhaltung und Treuhänder.

Allerdings: Dieser Kostenvorteil der Einzelfirma schrumpft, wenn du ein modernes Tool wie Infinity verwendest. Denn mit Infinity ist die doppelte Buchhaltung genauso unkompliziert wie eine einfache Buchführung – die klassische Soll-und-Haben-Logik läuft komplett im Hintergrund, und die KI schlägt dir die passenden Buchungen direkt vor. Der Aufpreis für «doppelte Buchhaltung» wird damit deutlich kleiner.

4. Steuern – wie dein Gewinn besteuert wird

Takeaway: Bis ca. CHF 100'000–150'000 Gewinn fährst du mit der Einzelfirma steuerlich oft besser; darüber lohnt sich der Lohn-Dividenden-Split der GmbH.

Bei der Einzelfirma gibt es keine Doppelbesteuerung: Dein Geschäftsgewinn fliesst direkt in deine persönliche Steuererklärung und wird als Einkommen besteuert. Einfach, aber durch die Progression kann es teuer werden, wenn der Gewinn steigt.

Bei der GmbH wird der Gewinn zunächst auf Unternehmensebene besteuert – die Gewinnsteuer liegt je nach Kanton bei rund 12–21 % (Bund: 8,5 % direkte Bundessteuer auf den Reingewinn). Wenn du dir den Restgewinn als Dividende auszahlst, wird die Dividende bei dir persönlich nochmals besteuert – allerdings privilegiert: Bei qualifizierter Beteiligung (mind. 10 %) werden auf Bundesebene nur 70 % der Dividende als Einkommen erfasst (kantonal 50–80 %).

Der Trick der GmbH: Du kannst dir einen Lohn auszahlen (der den Gewinn der GmbH senkt) und den Rest als Dividende ausschütten. Dieser Lohn-Dividenden-Split spart ab einer gewissen Gewinnstufe spürbar Steuern. Die Schwelle, ab der sich das lohnt, liegt je nach Kanton und persönlicher Situation grob bei CHF 100'000–150'000 Jahresgewinn – aber eine pauschale Antwort gibt es nicht. Ein kurzer Vergleich mit dem Treuhänder lohnt sich.

5. Sozialversicherungen – AHV, BVG und Arbeitslosenversicherung

Takeaway: Als GmbH-Geschäftsführer:in bist du besser abgesichert als als Einzelfirma-Inhaber:in.

Ein Punkt, der oft vergessen geht. Als Inhaber:in einer Einzelfirma giltst du als selbstständig erwerbend. Das heisst:

  • Du zahlst AHV/IV/EO-Beiträge selbst (ca. 5,4–10 % des Reingewinns)
  • Der Beitritt zur Pensionskasse (BVG) ist freiwillig
  • Du bist nicht gegen Arbeitslosigkeit versichert – wenn das Geschäft scheitert, gibt es kein ALV-Taggeld

Als Geschäftsführer:in einer GmbH hingegen bist du formal angestellt – selbst wenn du Alleingesellschafter:in bist. Damit bist du obligatorisch in AHV, BVG, UVG und ALV versichert, wie jede:r andere Arbeitnehmende auch. Das kostet zwar Lohnnebenkosten, bietet aber eine deutlich bessere soziale Absicherung.

Detaillierte Informationen findest du bei der Informationsstelle AHV/IV.

6. Firmenname – wie frei du bei der Namenswahl bist

Takeaway: Die Einzelfirma muss deinen Nachnamen enthalten, die GmbH kann frei gewählt werden.

Bei der Einzelfirma ist der Nachname des Inhabers zwingend im Firmennamen enthalten – z. B. «Meier Consulting» oder «Anna Meier Webdesign». Fantasienamen ohne Nachnamen sind nicht erlaubt. Der Namensschutz gilt zudem nur am Ort des Geschäftssitzes.

Bei der GmbH kannst du den Firmennamen frei wählen – er muss lediglich den Zusatz «GmbH» enthalten und darf nicht irreführend sein (Art. 950 OR). Der Namensschutz gilt schweizweit. Für viele Gründer:innen, die eine eigene Marke aufbauen wollen, ist das ein relevanter Vorteil. Ob dein Wunschname verfügbar ist, prüfst du über Zefix.

7. Umwandlung – von der Einzelfirma zur GmbH wechseln

Takeaway: Der Wechsel ist jederzeit möglich, aber aufwendig – am besten startest du direkt mit der richtigen Form.

Viele Selbstständige starten als Einzelfirma und wechseln später zur GmbH, wenn das Geschäft wächst. Das ist möglich – du gründest eine neue GmbH und überträgst Aktiven und Passiven per Vermögensübertragung (gemäss Art. 69 ff. FusG). Kosten: typischerweise CHF 3'000–6'000 (ohne Stammkapital), Dauer: 2–4 Monate.

Steuerneutral ist die Umwandlung nur, wenn die Buchwerte übernommen werden und du die GmbH-Anteile während einer fünfjährigen Sperrfrist nicht veräusserst – sonst droht die Nachbesteuerung stiller Reserven.

Wenn du heute schon weisst, dass dein Geschäft wachsen soll, oder wenn du mit nennenswerten Risiken arbeitest, lohnt sich der direkte Start als GmbH oft mehr als der spätere Wechsel.

Fazit: Welche Rechtsform passt zu dir?

Die Einzelfirma ist die bessere Wahl, wenn du…

  • mit wenig Risiko und kleinem Budget startest
  • allein arbeitest oder erstmal nebenberuflich testest
  • die Einfachheit schätzt und unter CHF 100'000 Gewinn bleibst
  • keine Haftungsbeschränkung brauchst (z. B. Beratung, Freelancing ohne physische Produkte)

Die GmbH ist die bessere Wahl, wenn du…

  • dein Privatvermögen schützen willst
  • ab CHF 100'000–150'000 Gewinn steuerlich optimieren möchtest
  • eine eigene Marke ohne deinen Nachnamen aufbauen willst
  • Mitarbeitende einstellen oder Partner:innen beteiligen möchtest
  • in einem Bereich mit höherem Haftungsrisiko arbeitest

Und wenn du dir noch unsicher bist: Unser Rechtsformen-Guide gibt dir einen breiteren Überblick über alle Optionen.

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